HKR 2024

Die Kunst am Steuer eines 15-Tonners

09.01.2024

Wenn sie im Einsatz sind, werden nur zu gerne die Handys gezückt. Die wagemutigen Pistenraupenfahrer auf Streif und Ganslern arbeiten derzeit auf Hochtouren. Gery Hühnersbichler lud auf der Hausbergkante kurz in sein Cockpit ein.

In aller Munde sind dieser Tage die Pistenraupenfahrer der Bergbahn AG Kitzbühel. Nicht nur entlang von Streif und Ganslern, auch unter Wintersportfans, die vom Tal aus den Arbeiten mit den tonnenschweren Maschinen im steilen Gelände beeindruckt zusehen.

„Die Fahrer sind wahre Künstler. Solche Leute findest du in ganz Mitteleuropa nicht“, sagt OK-Chef Michael Huber. An abschüssigen Schlüsselstellen wie etwa Mausefalle, Steilhang oder Querfahrt arbeiten nur die Erfahrensten (u.a. mindestens 3000 Windenstunden) und dazu zählen bei KitzSki sieben Spezialisten. Einer der von Michael Huber titulierten Künstler ist Gery Hühnersbichler, der seit Montag seinen absoluten Lieblingsabschnitt für die zwei Abfahrten präpariert: Hausberg, Querfahrt und Zielschuss.

Seit 20 Jahren arbeitet der Kirchberger bei der Bergbahn Kitzbühel als Pistenraupenfahrer und wenn er darüber erzählt, strahlt er eine Begeisterung aus, die keinesfalls auf so eine lange Dienstzeit schließen lassen würde. Gery Hühnersbichler ist dieser Tage aber auch in der glücklichen Lage, ein neues Gerät testen zu dürfen, und bislang erweist sich der 15-Tonner mit 630 PS als Volltreffer: „Die Technik ist gewaltig und auf dem neuesten Stand, dazu noch der Komfort.“ Er und seine Kollegen rätseln noch über einen Namen für den Neuzugang: „Aber wir tendieren momentan zu Lisa.“

Während Gery „seine“ Lisa auf die Hausbergkante geparkt hat, gibt er ein wenig Einblick in seinen Alltag im Cockpit: „Wichtig für uns alle ist es, die Maschine, das Gelände und die Schneequalität zu kennen. Deshalb werden vor den Einsätzen vor allem in steilen Abschnitten sowohl die Auflage als auch die Maschinen genau inspiziert. Ist der Schnee weich, kann man schon ins Rutschen kommen.“ Als Unterstützung bei der Präparierung von Starthang, Mausefalle, Steilhang oder Querfahrt dient eine Winde: „Sie ist eine Zusatzhilfe und hält etwa 4,6 Tonnen.“ Im Cockpit zählt der Joystick zu seinen besten Freunden: „Mit ihm kann ich alles bedienen: Fräse, Winde und den Pflug.“ 

Seit Montag arbeitet Gery Hühnersbichler mit seinen Kollegen daran, den am Wochenende gefallenen Neuschnee (in Verbindung mit Wasser) in die Strecke einzuarbeiten. Bis Mittwoch soll das auf der Streif abgeschlossen sein, danach beginnen die Feinarbeiten, während unterdessen gehofft wird, dass die Rennstrecke dank der Temperaturen gut durchfriert.

Ist so ein wagemutiger Pistenraupen-Künstler eigentlich auch im Straßenverkehr souverän unterwegs? „Eigentlich schon“, antwortet Gery Hühnersbichler, „aber normalerweise fährt meine Frau, weil ich nicht gerne Auto fahre.“

Foto © K.S.C./Julian Jamnig


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