Ein Kissen feiert Jubiläum
Seit 25 Jahren werden die Streif und der Zielraum am Ganslern mit Airfences abgesichert. Manche der Luftkissen reisen von Kitzbühel über den Ossiacher See direkt weiter zu MotoGP-Rennen.
„An der Mausefalle wurde erstmalig an einer Weltcup-Rennstrecke eine in Italien produzierte Luftkissenmatte zur Sicherung eingesetzt“, heißt es auf Seite 219 des Hahnenkamm-Nachschlagewerks "Chronik eines Mythos". 25 Jahre liegt diese Premiere nun zurück, und die Luftkissen sind von der Streif ebenso wenig wegzudenken wie von anderen Rennstrecken. Erst am Montag wurden die inzwischen Airfence genannten Sicherheitspolster an der Mausefalle aufgeblasen und montiert, am Dienstag folgte der Lärchenschuss. In diesem Jahr finden sich insgesamt 180 Luftkissen entlang der Abfahrts- und Super-G-Strecke sowie im Zielbereich des Ganslernhangs – etwa im Steilhang, am Hausberg, im Ziel der Speed-Rennen und bei nahezu jedem Fernsehturm.
Aus Italien kommen die Airfence mittlerweile nicht mehr, sondern aus Steindorf am Ossiacher See. „Seit über 20 Jahren sind wir in Kitzbühel mit dabei“, sagt Philipp Hopfgartner, Geschäftsführer von Alpina, der bei den Aufbauarbeiten an der Streif stets selbst mit anpackt. Je nach Größe wiegt ein Airfence bis zu 140 Kilogramm. In Kitzbühel kommen die Gewichtsklassen 50, 70, 120 und 140 zum Einsatz. Nach den Rennen verbleiben die Luftkissen nicht auf dem Hahnenkamm. „Wir nehmen alle mit nach Steindorf am Ossiacher See und unterziehen sie einem Service. Danach geht es für die Airfence auf die nächste ,Baustelle‘“, so Hopfgartner. So kann es durchaus vorkommen, dass Luftkissen, die eben noch auf der Streif für Sicherheit gesorgt haben, kurz darauf bei einem MotoGP-Rennen im Einsatz stehen. „Kürzlich waren wir bei einem Red-Bull-Stunt in Brasilien, aber wir sind weltweit unterwegs – auch bei Olympischen Spielen.“
Fünf bis sieben Jahre kann ein Airfence im besten Fall auf der Streif überdauern. Gefertigt ist es aus flammhemmendem PVC – eine Anforderung aus dem Motorsport – und besteht aus mehreren Luftkammern. Die Befüllung dauert maximal zehn Minuten.
Kommt ein Airfence zum Einsatz, wirkt es auf den gestürzten Sportler wie ein Airbag. Das Kissen verfügt über eine Vorder- und eine Hinterkammer sowie vier Distanzhalter, dazwischen befindet sich Luft. Beim Aufprall gibt der Airfence stark nach, nimmt die kinetische Energie schonend auf und bremst den Athleten kontrolliert ab. Doch wie bei allen Sicherheitspolstern gilt: Wirklich benutzen möchte sie niemand.
Foto © K.S.C./alpinguin, KSC-Archiv



