HKR Kitzbühel

Ernst am Start

22.01.2026

Sekunden vor dem Start zählt jede Bewegung, jeder Blick, jedes Wort. Während die Athleten ganz auf die Streif fokussiert sind, sorgt Ernst Pirnbacher im Hintergrund für Ordnung und Sicherheit. Als Startrichter ist er die letzte Konstante, bevor es für die Läufer in den Starthang geht.

„Ich bin der Letzte, den der Läufer sieht“, sagt Ernst Pirnbacher – und meint den Satz gar nicht so dramatisch, wie er klingt. Aber er stimmt. Seit zehn Jahren ist er Startrichter bei den Hahnenkamm-Rennen, und ehe sich die Athleten aus dem Starthaus wegdrücken und sich ihr Fokus auf die Mausefalle richtet, ist Ernst Pirnbacher ihre letzte Bezugsperson. Zumindest für manche: „Manche sind dermaßen im Tunnel, die nehmen mich gar nicht wahr.“ Andere wiederum lassen sich die Anspannung gar nicht anmerken und klatschen mit „Ernst am Start“ sogar ab. Wer dermaßen cool ist? Da bleibt der 38-Jährige aus St. Ulrich am Pillersee diskret.

Vor 20 Jahren – im Alter von 18 – erlebte er seine ersten Hahnenkamm-Rennen als Beteiligter. Bereits ein Jahr nach seiner Premiere als Torrichter wurde er zum „Starter“ und lernte unter dem unvergessenen Fips Pischl sein Handwerk. Während sich der Starter ganz der Zeitnehmung widmet, ist der Startrichter das Auge der Jury. „Ich überwache die Besichtigungszeiten vor den Rennen, unterbreche den Start, wenn ein Läufer stürzt oder eine Torstange ersetzt werden muss.“ Dann heißt es: „Start stop!“

In solchen Momenten kann es vorkommen, dass er einen startbereiten Athleten regelrecht zurückhalten muss. Wird der Start wieder freigegeben, bespricht Ernst Pirnbacher mit Läufer und Coach, wann er sich wieder bereit fühlt: „Wir klären, wie lange er braucht, um sich erneut zu fokussieren. Es ist ja eine extreme Stresssituation, wenn du Sekunden vor dem Start stehst und plötzlich halte ich dich auf.“

Er selbst ist dabei kaum weniger fokussiert. Seine Ohren hängen stets an zwei Funkfrequenzen – Jury- und Arbeitsfunk –, seine Augen haben immer den nächsten Athleten im Blick. Trotz seines exklusiven Platzes – Ernst Pirnbacher ist Startrichter bei Abfahrt, Super-G und Slalom – hat er seit 20 Jahren kein Rennen mehr live gesehen: „Am Ende weiß ich, wer gewonnen hat, aber sonst keinerlei Details.“ Das holt er nach, wenn er abends heim in sein Dreimäderlhaus kommt. Dann schaut er sich die Rennen im Stream noch einmal an.

Am Freitag wird es zum ersten Mal ernst: Tickets für den Super-G um 11.30 Uhr gibt es exklusiv im Webshop

Foto © K.S.C./Jürgen Klecha, KSC/alpinguin


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