Historisches Zielbanner kehrt heim
Nicht jeder Lausbubenstreich endet mit einer offiziellen Übergabe im Rennbüro. Dieser schon. Nach rund 45 Jahren kehrte ein entwendetes Zielbanner der Hahnenkamm-Rennen aus der Schweiz zurück nach Kitzbühel – samt Geständnis, Gedicht und einem versöhnlichen Lächeln über die Grenzen hinweg.
Es war der 27. November 2025, als im Büro des Kitzbüheler Ski Clubs eine E-Mail von Urs Becker eintraf. Der Schweizer schrieb: „ (…) Mir ist zu Ohren gekommen, dass sich vor ca. 45 Jahren Männer aus unserer Region (Sargans und Grabs), die mittlerweile im fortgeschrittenen Alter sind, einen ,Nachtbubenstreich‘ erlaubt haben. Meines Erachtens war es – trotz Alkoholeinfluss – jedoch mehr als nur ein Streich: Sie haben in nächtlicher Aktion das farbige Zielbanner entwendet.“
Urs Becker selbst hatte mit dem Streich nichts zu tun, doch er besitzt einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und vor allem Humor. Vor seiner Pensionierung war er Gemeinderatsschreiber in Sargans und stieß ebendort auf dem Dachboden auf das Corpus Delicti. Im Zuge seines Besuchs der Hahnenkamm-Rennen wollte er die knallrote Flagge dem Ski Club zurückgeben. Am Freitagfrüh traf die Flagge nun wieder zu Hause ein, als es im Rennbüro zur herzlichen Übergabe kam. Urs Becker wurde von seinen Freunden Pius und Markus begleitet. Von den Lausbuben wagte keiner die Rückkehr an den Tatort – sie blieben in der Schweiz. KSC-Ehrenmitglied und Weisenrat Wilfried Leitzinger nahm jedoch nicht nur das jahrzehntelang vermisste Objekt entgegen, sondern auch ein Gedicht von Urs:
„Was vor ca. 45 Jahren bei Nacht und Nebel geschehen ist,
ist wahrlich kein Bubenstreich und nicht gewachsen auf unserem Mist.
Vier Männer aus der Region Sargans und Gams,
bestimmt alkoholisiert und zudem über die Leistungen der Schweizer Rennfahrer frustriert,
hatten zu später Stund eine gar dumme Schnapsidee:
Wir klauen das Zielbanner als Souvenir – was für ein ,Schmäh‘!?Seit vielen Jahren lag nun die Flagge im Estrich, verlassen und ganz allein,
dabei könnte sie ein wohlgesehener Glücksbringer im Zielraum sein.
Allenfalls auch dienen bei einem Nostalgie- oder Promirennen
oder im Archiv des Ski Club Kitzbühel friedlich weiter pennen!Erfahren von dem verlorenen Schatz,
hat mich der Gerechtigkeitssinn gepackt.
Dieses Schmuckstück muss zum rechtmäßigen Besitzer gelangen,
hoffentlich ein edles und willkommenes Unterfangen.Als Skiclub-Mitglieder erachten wir die Rückgabe als unsere Pflicht
und entschuldigen uns für den anstiftenden St. Galler Bösewicht.
Die Täter, mittlerweile 75 Lenze und älter, bereuen ihr flegelhaftes Tun.
Sie sind glücklich über die Rückgabe und können nun wieder entspannter ruhn.So übergeben wir euch nun das Diebesgut und sind voller Zuversicht,
dass sich die Schweizer als Gäste benehmen und so ihr wahres Gesicht zeigen.
Wir genießen die Tage in Kitzbühel, egal, wer auf dem Stockerl steht.
Ein völkerverbindendes Fest, bei dem ein friedlicher Wind weht.
Sportliche Höhepunkte, viel Freude, Applaus, Hochachtung über die gewaltigen Leistungen aller Athleten –
Spaß und Geselligkeit sind angesagt.
Wir danken recht herzlich, im Wissen, dass dazu wieder alles parat ist!!“
Wilfried Leitzinger fand die Aktion einmalig:„So etwas hat es in der langen Geschichte des Kitzbüheler Ski Clubs noch nie gegeben, und wir sind wirklich froh über die Heimkehr unserer Zielflagge. Den Lausbuben von einst wünschen wir noch viele schöne Jahre auf den Skipisten.“
Foto © K.S.C.



