Vor 60 Jahren wurde der Weltcup in Kitzbühel erfunden
Im Jahr 1966 wurde auf der Seidlalm in Kitzbühel die Idee geboren, die den alpinen Skirennsport für immer verändert hat. Aus vielen Einzelveranstaltungen sollte eine internationale Rennserie werden – der Weltcup.
Der Ablauf von hochklassigen Skirennen ab den 1930er-Jahren (das erste Hahnenkamm-Rennen datiert von 1931) ist aus heutiger Sicht völlig unvorstellbar. So waren die Bewerbe Jahrzehnte lang zumeist Einzelveranstaltung von singulärer Bedeutung. Das schmälert die herausragenden Leistungen von anno dazumal nicht. Aber so gab es etwa keine einheitliche, über eine gesamte Saison reichende Rangliste, in der Athletinnen und Athleten Punkte sammeln und aus der am Ende des Winters ein Gesamtsieger hervorgehen konnte. Auch gab es lange keine Fernsehübertragungen, d.h. man musste entweder ein Radio besitzen oder zu den Rennen anreisen, um sie live miterleben zu dürfen. Aus Kitzbühel übertrug der ORF zum ersten Mal 1959 – natürlich in schwarz-weiß. Die wichtigsten Skirennen der damaligen Zeit waren – neben den Hahnenkamm-Rennen – u.a. jene auf dem Lauberhorn (seit 1930), die Arlberg-Kandahar-Rennen (seit 1928) und natürlich die Weltmeisterschaften (seit 1931) und die Olympischen Winterspiele (seit 1936).
Mitte der 1960er-Jahre verdichteten aber die Bemühungen, dem internationalen Rennkalender eine neue, verbindlichere Struktur zu geben. Länder-Vergleichswettkämpfe wie der Alpen-Cup in Davos oder ein Dreiländerkampf in Vail weisen bereits in Richtung einer übergeordneten Rennserie. Der Ruf nach einem solchen Wettbewerb wurde auch deshalb immer lauter, weil sich der Skisport zunehmend internationalisierte: Zu den klassischen europäischen Schauplätzen kamen immer mehr Veranstalter in den USA hinzu, die internationale Rennen austragen wollten. Diese Entwicklung war für den Skisport insgesamt erfreulich, zumal frühere Großereignisse wie die Weltmeisterschaft 1950 in Aspen oder die Olympischen Winterspiele 1960 in Squaw Valley zunächst nicht die erhofften nachhaltigen Impulse für den alpinen Skisport in Nordamerika gebracht hatten.
1966 war dann Kitzbühel Schauplatz einer Idee, die die Skiwelt nachhaltig verändert hat: Auf der Seidlalm trafen sich während des Abfahrtstrainings drei Herren. Der Journalist Serge Lang und der Trainer Honoré Bonnet aus Frankreich sowie der US-Trainer Bob Beattie. Diskutiert wurde der Vorschlag von Bob Beattie, die Attraktivität des alpinen Skisports durch eine jährlich stattfindende Ski-WM zu erhöhen, anstatt diese wie bisher nur alle zwei Jahre auszurichten. Honore Bonnet hingegen war als Stratege eher der Meinung, mehrere Wettkämpfe im Laufe der Saison zusammen zu werten, um den Faktor Glück bei Großereignisse, wo alles auf einen Tag reduziert wird, auszuschalten. Mit dem Ausblick auf die bevorstehende Fußball-WM in England sagte Serge Lang „Was wäre, wenn wir auch einen ,World Cup‘ machen?“. So heißt die Fußball-WM auf Englisch ja World Cup. Gesagt, getan.
Die Initiatoren erhofften sich dadurch – neben der Internationalisierung - eine Erhöhung der Spannung und eine bessere Verständlichkeit bei den Fans. Zudem wäre der Gewinn des Gesamt-Weltcups ein weiterer Ansporn für die Sportler und dessen Gewinn die Krönung zum disziplinenübergreifend besten Skifahrer der Saison. Der Vorschlag wurde noch im selben Jahr bei der sommerlichen FIS-WM in Portillo ausgearbeitet und beim darauffolgenden FIS-Kongress in Beirut beschlossen.
Der erste Ski-Weltcup fand bereits 1967 statt und dauerte vom 5. Jänner bis zum 26. März. Er bestand aus den Disziplinen Abfahrt, Riesentorlauf und Slalom und ihre ersten Gesamtsieger hießen Jean-Claude Killy aus Frankreich und Nancy Greene aus Kanada. Dasselbe Duo gewann auch 1968. Erst mit der Saison 1968/1969 begann der Weltcup im Dezember und endete im März. 36 Rennen umfasste eine Serie vor 60 Jahren, heute sind es 75. Der Super-G wurde 1982 als vierte Disziplin aufgenommen.
„Kitzbühel ist stolz von Beginn an Fixpunkt im Weltcup-Kalender zu sein“, sagt Michael Huber, Präsident des Kitzbüheler Ski Clubs und ergänzt: „Nach schriftlichen Berichten von Weltcup-Gründer Serge Lang gab gerade Kitzbühel den Anstoß zum Erfolg, als 1967 die Zuschauer in der Stadt mit einem Transparent WORLD CUP IN KITZBÜHEL begrüßt wurden.“
So innovativ und wichtig die Erfindung des Weltcups 1966 auf der Seidlalm in Kitzbühel auch war, einen Nachteil brachte sie mit sich: Es war der Anfang vom Ende der alpinen Kombination – mit ihrem endgültigen Aus 2016 in Kitzbühel. Damals gewann der Franzose Alexis Pinturault und avancierte zum letzten Hahnenkamm-Sieger in seiner ursprünglichen Bedeutung (der Beste aus Abfahrt/Super-G und Slalom).
Foto © K.S.C.-Archiv, KSC/alpinguin



