Ein Japaner will in Kitzbühel Geschichte schreiben
Sein Vater ist dank eines spektakulären Sturzes in der Mausefalle im Jahr 1985 zu einer kleinen Legende in Kitzbühel geworden. Das möchte auch Sohn Shiro – allerdings ohne Sturz: „Ich möchte mein eigenes Vermächtnis als japanischer Skifahrer hinterlassen“, sagt er im Interview.
Vier Jahre nach seinem Weltcup-Debüt begann der Stern von Shiro Aihara am 11. Jänner 2026 in Adelboden erstmals richtig zu leuchten. Mit Startnummer 60 gelang ihm die Qualifikation für den zweiten Durchgang, im Ziel brach er in einen Jubel aus, wie man ihn von japanischen Athleten nur selten sieht. Der Höhepunkt folgte im zweiten Lauf: Aihara kam ins Ziel, lag sogar kurz in Führung und belegte schließlich Platz 25 – die ersten Weltcuppunkte seiner Karriere.
Nun kehrt der 24-Jährige nach Kitzbühel zurück, an jenen Ort, an dem sein Vater bis heute einen kleinen Legendenstatus genießt, obwohl er nie ein Rennen gewonnen hat. Der spektakuläre Sturz von Hiroyuki Aihara in der Mausefalle, bei dem er mit mehreren Salti über den Staketenzaun flog, ist vielen Fans noch lebhaft in Erinnerung. 2020 wurde „Hiro“ in Kitzbühel sogar ein Hahnenkammstein mit einer Nachbildung des Zauns überreicht. Damals sagte Michael Huber: „Es gibt Rennläufer, die nie ganz oben stehen – aber auch an sie denken wir.“
Auch für Shiro Aihara hat Kitzbühel einen besonderen Platz im Leben: „Am 22. Jänner 2022 bin ich am Ganslernhang mein allererstes Weltcup-Rennen gefahren. Ich liebe diese Strecke mit ihren ständigen Geländewechseln – dieses Auf und Ab macht sie unglaublich anspruchsvoll und spannend. Es ist ein Rennen, von dem ich mir wünsche, dass es Menschen auf der ganzen Welt sehen und diese Faszination spüren können“, schwärmt er.
Die enge Verbindung zwischen Kitzbühel und seinem Vater Hiroyuki blieb ihm lange verborgen: „Ich habe Aufnahmen vom Sturz meines Vaters in der Dokumentation ,Streif' gesehen. Davor wusste ich nicht einmal, dass er Abfahrer war oder dass er auf der Streif gefahren ist. Diese Bilder haben mir erst richtig bewusst gemacht, was für ein großartiger Skifahrer mein Vater war.“ Doch nun ist es Zeit, die eigene Geschichte zu schreiben: „Ich möchte mich weiter pushen, um mein eigenes Vermächtnis als japanischer Skifahrer zu hinterlassen, und eines Tages ein Weltcuprennen gewinnen.“
Zweimal ist Shiro Aihara am Ganslern bereits an den Start gegangen, für den zweiten Durchgang hat es bislang noch nicht gereicht. Das soll sich am Sonntag ändern: „Ich möchte den Zuschauern vor Ort und den Menschen vor den Bildschirmen weltweit zeigen, wie schwierig, fordernd und mutig es ist, mit einer hohen Startnummer um einen Platz unter den Top 30 zu kämpfen. Durch diese Herausforderung hoffe ich, mehr Menschen fürs Skifahren zu begeistern – und ganz besonders, dass sie dafür auch zu uns nach Japan kommen.“
Der Slalom findet am Sonntag, dem 25. Jänner statt. Durchgang 1 um 10.30 Uhr, Durchgang 2 um 13.30 Uhr. Tickets gibt es exklusiv im Webshop, vor Ort gibt es keinen Ticketverkauf.
Foto © ISHII IKKOKU



