Größer als Olympisches Gold
Nach zehn vergeblichen Versuchen ist es Manuel Feller endlich gelungen, sein Heimrennen zu gewinnen. Der Sieg auf dem Ganslernhang bedeutet dem Fieberbrunner mehr als Olympisches Gold.
Es war der 29. Dezember 2025, als auf dem Ganslernhang Linus Straßer, Joshua Sturm, Sebastian Holzmann und Manuel Feller trainierten. Die Stimmung war gut, aber weit entfernt von losgelöst und tiefenentspannt. Alle Genannten fuhren ihrer Berstform bis dahin weit hinterher. Während Linus Straßer zumindest noch kurz in Plauderlaune war, hätte Manuel Feller am liebsten gar keine Fragen beantwortet – verständlich, mitten im Training und noch dazu in einer schwierigen Gesamtsituation.
„Gemischte Gefühle“ verband der Fieberbrunner bis dahin mit dem Ganslernhang. Seit seinem ersten Antreten 2013 war mehr als ein vierter Platz nicht drin. „Es ist eines der coolsten Rennen der Saison und eines, auf das ich besonders hinarbeite, aber hier zu performen, ist immer extrem schwierig“, sagte er kurz vor dem Jahreswechsel. Keine vier Wochen später feiert der 33-Jährige an derselben Stelle den emotionalsten Erfolg seiner Karriere: Er gewinnt das Rennen in seinem Heimatbezirk mit 35 Hundertstel Vorsprung auf den Halbzeitführenden Loïc Meillard. Linus Straßer landet zudem auf Rang drei. Kaum irgendwo liegen Himmel und Hölle näher beieinander als im Spitzensport.
Es war ein Urschrei der Erleichterung, den Manuel Feller ausstieß, als er die so langersehnte Goldene Gams endlich in den Kitzbüheler Himmel stemmte. Für ihn schloss sich an diesem Tag ein Kreis, denn dieser Sieg hat für ihn einen höheren Stellenwert als Olympisches Gold – das er im Februar noch holen kann: „Der Ganslernhang ist für mich größer als Olympia, denn es ist für mich der schwierigste Slalomhang – und dann diese Kulisse! Jedes Jahr sind so viele Leute von mir daheim hier.“
Für Feller war es auch eine Art Versöhnung mit dem Berg. Seine Leistung an diesem Tag fiel ihm schwer in Worte zu fassen: „Ich habe oft davon geträumt und ich war schon in besseren Ausgangspositionen. Heute hat es einfach funktioniert – schöner kann es nicht sein.“ Ein Fazit, das hängen bleibt: Schöner kann das Leben nicht sein, als wenn es einfach funktioniert.
Foto © K.S.C./Jürgen Klecha



