HKR 2019

Siege, Helden, Sensationen: Ein Rückblick

21.01.2018

Die Hahnenkamm-Rennen 2018 in Kitzbühel sind Geschichte. Selbst die schwierigen, vor allem wetterlichen Verhältnisse taten der 78. Auflage keinen Abbruch – ganz im Gegenteil. Das diesjährige Skifest wird allen als rundum erfolgreich in Erinnerung bleiben.

Schnee. Sehr viel Schnee. So lautete die Wetterprognose für das Hahnenkamm-Wochenende. „Es wird schwierig, aber unmöglich ist eine planmäßige Austragung nicht“ – oft hörte man diesen oder ähnliche Sätze von Funktionären. Dass mit den Schneemassen jedoch dermaßen gut umgegangen wurde ist dem unermüdlichen Einsatz der unzähligen Helfer zu verdanken. All die harten Arbeitsstunden und die Mühe hat sich gelohnt – die 78. Hahnenkamm-Rennen verliefen reibungslos. Einfach perfekt.

Schneekontrolle am 5. Jänner

„Ich muss dem Hahnenkamm-Team gratulieren, alles ist vom Feinsten hergerichtet und meinerseits kann ich grünes Licht geben“. Mit diesen Worten bestätigt FIS-Renndirektor Hannes Trinkl die 78. Auflage der Hahnenkamm-Rennen. Rennleiter Axel Naglich zeigte sich zufrieden mit allen Teams für die geleistete Arbeit. Der Bergbahn AG galt ein besonderer Dank: „Die Männer haben ausgezeichnet vorgearbeitet“, lobte Abfahrtspistenchef Herbert Hauser die Beteiligten.

Eröffnung der Rennwoche mit den Stars von morgen

Mit einem Einmarsch der Nationen wurde die Hahnenkamm-Woche offiziell eröffnet. Die Teilnehmer des Junior Race vertraten ihre Nationen und wurden von K.S.C. Präsident Michael Huber, der Präsidentin des Kitzbühel Tourismus Signe Reisch, sowie von Seppi Eberl in Empfangen genommen. Im Legendenpark kam am Montag erstmals internationale, festliche Stimmung auf, die die ganze Woche über standhielt.

Svindals dritter Streich beim Super-G

Am Freitag erfolgte dann mit dem Super-G die offizielle Eröffnung des Klassiker-Wochenendes. Die heftigen Schneefälle vom Vortag und in der Nacht stellten Rennfahrer, Teams, Veranstalter und Fans vor eine große Herausforderung. Durch sensationelle Zusammenarbeit aller Beteiligten konnte die Streif dennoch rennfertig gemacht werden. Eine spätere Startzeit und eine neue Streckenführung – es wurde von der Mausefalle bis zum Oberhausberg gefahren – entpuppten sich als genau richtige Maßnahmen. Der Super-G wurde so wieder zu einem wahren Spektakel, der allen Athleten faire Bedingungen bot.

Den Sieg feiern durfte ein alter Bekannter: Aksel Lund Svindal zauberte eine Fabelzeit in den Schnee und triumphierte damit zum bereits dritten Mal am Hahnenkamm. „Kitzbühel ist etwas Besonderes, aber es ist noch etwas besonderer, wenn man dabei ist und wieder gewinnt. Das ist richtig toll“, freute sich der Norweger, der nach seiner Verletzung in Kitzbühel vor zwei Jahren das perfekte Comeback feierte. Hinter ihm landete sein Landsmann Kjetil Jansrud auf Platz zwei. „Zwei Elche am Podest in Kitzbühel – das schmeckt gut“, kommentierte er den norwegischen Doppelerfolg. Die Top 3 komplettierte Vorjahressieger Mathias Mayer, der die österreichischen Fans mit einer beherzten Fahrt jubeln ließ. „Ich habe mich runtergekämpft. Es war ein anspruchsvolles Rennen, aber es ist gut ausgegangen“, sagte der Dritte nach dem Rennen. Um genau eine Hundertstelsekunde verpasste der Tagesvierte Hannes Reichelt das Podium.

Die knapp 15.000 Zuschauer, die im Zielgelände das Rennen über die Leinwände mitverfolgen konnten, sorgten für eine beeindruckende Stimmung – diese setzte sich dann auch am Abend bei der Siegerehrung der Super-G-Helden fort.

Thomas Dressen schreibt Geschichte

„Ich dachte, eine Steigerung zum gestrigen Super-G gibt es nicht mehr. Aber das heute war eine“, erklärte Michael Huber, Präsident des Kitzbüheler Ski Clubs, am Abend nach der Streif-Abfahrt. Wie recht er doch hatte: Die Abfahrt der 78. Hahnenkamm-Abfahrt bot alles, was das Sportler-Herz begehrt – Emotionen, Leidenschaft und Sensationen. Im Mittelpunkt einer spektakulären Streif-Abfahrt stand Thomas Dressen.

Dem 24-jährige Rennläufer, der zuvor im Weltcup erst einmal auf dem Stockerl stand, gelang mit Startnummer 19 ein absoluter Traumlauf. Die Belohnung folgte prompt: Der Oberbayer fuhr Bestzeit und gewann so völlig überraschend das Abfahrtsspektakel. „Im Ziel habe ich es noch gar nicht glauben können. Es ist einfach nur ein richtig, richtig cooles Gefühl“, kommentierte ein sichtlich gerührter Dressen den Erfolg. Für sein Heimatland bedeutete der Sieg das Ende einer langen Durstrecke: 39 Jahre nach Sepp Ferstl konnte endlich wieder ein deutscher Skirennfahrer auf der Streif triumphieren. Mit Rang zwei konnte Beat Feuz über seine bereits vierte Gams-Trophäe jubeln. „Es war ein fantastischer Tag. Ich bin überglücklich mit meiner Fahrt“, meinte der Schweizer später bei der Siegerehrung. Wie am Vortag landete auch dieses Mal ein Österreicher auf dem dritten Platz: Der Sieger von 2014, Hannes Reichelt, freute sich über seinen fünften Podiumsplatz in Kitzbühel. „Auf so einer Strecke und in dem Alter ist das schon eine Topleistung“ lautete das Résumé des Salzburgers.

Eine Topleistung lieferte aber wie so oft in dieser Woche erneut das Pistenteam ab: Durch permanente Rutschdienste und perfekter Präparation des Hausbergs konnte die Abfahrt bei perfekten Pistenbedingungen und kompletter Streckenführung über die Bühne gehen. Etwa 47.000 Zuschauer entlang der Streif, fantastische Stimmung im Zielbereich und ein toller Wettkampf waren der Dank dafür.

Das Siegerportrait zu Thomas Dressen

 

Norwegische Festspiele gehen weiter - Drittes Podium für Österreich

Aller Guten Dinge sind drei – das dachte sich wohl der Wettergott, als er es auch vor dem dritten großen Hahnenkamm-Wettbewerb am Wochenende, dem Slalom, schneien ließ. Knapp zwanzig Zentimeter Neuschnee fielen über die Nacht am Hahnenkamm. Damit war klar, dass erneut ein enormes Arbeitspensum nötig ist, um den Ganslernhang rennbereit zu machen. Ab 4 Uhr in der Früh wurde gerutscht, geschaufelt und geräumt, was das Zeug hält. Mit Erfolg: Der Slalom konnte bei winterlichen Bedingungen, aber ohne Probleme durchgeführt werden.

Den Sieg holte sich zum zweiten Mal nach 2016 Henrik Kristoffersen. Im ersten Durchgang der Schnellste, verwaltete der Norweger dann in Lauf zwei und bei dichtem Schneetreiben souverän seinen Vorsprung. Damit freute sich Kristoffersen über seine zweite goldene Gams-Trophäe: „Ich hatte heute ein gutes Gefühl und bin mit dem Sieg natürlich wahnsinnig zufrieden“, sagte Kristoffersen danach. „Es ist echt cool, wenn man ein Rennen in Österreich fährt und dann auch gewinnt. Ich liebe Österreich“, schwärmte der 23-Jährige. Das norwegische Ski-Team feierte damit nach dem Svindal-Erfolg beim Super-G den zweiten Sieg bei den heurigen Hahnenkamm-Rennen. Zudem war es der dritte norwegische Podiumsplatz an diesem Wochenende. Mithalten können da nur die Österreicher: Nach den dritten Plätzen von Mayer (Super-G) und Reichelt (Abfahrt) fuhr Topfavorit Marcel Hirscher im Slalom auf den zweiten Rang. „Ich habe heute das Maximum aus mir herausgeholt und bin sehr zufrieden. 80 Weltcup-Punkte aus Kitzbühel mitzunehmen ist super“. Es war Hirschers siebter Podestplatz bei den Kitzbühel Klassikern. „Wie ein Sieg“ fühlte sich der dritte Rang für Daniel Yule an, der erstmals in seiner Karriere aufs Podest klettern durfte. „Dass das ausgerechnet in Kitzbühel passiert, ist einfach unglaublich“, freute sich der Schweizer Technikspezialist. 20.000 Zuschauer haben  mitgefiebert!

Nervenkitzel bis zur letzten Sekunde 

Der Hahnenkamm- Slalom 2018 hätte spannender nicht sein können.

Und wieder steht Marcel Hirscher am Podest- aber nicht ganz oben.

„Das war heute kein leichter Tag. Mein zweiter Lauf war aber passabel und ich bin an mein Maximum gekommen.“

Mit 90 Hundertstel Vorsprung und einem rasanten Lauf schlägt Henrik Kristoffersen den „Dauersieger“ Hirscher und verweist ihn auf Platz 2. Nach dem ersten Durchgang schien es noch so, als könnte Michael Matt ein Wörtchen im Kampf um eine Gams mitreden. Jedoch patzte er und schied im zweiten Lauf aus.

Die Sieger des Slaloms heißen somit Kristoffersen, Hirscher und auf Platz drei landet der Schweizer Daniel Yule, der heute zum ersten Mal in seiner Karriere auf dem Podium steht. 

Und damit sind auch die 78. Hahnenkamm-Rennen offiziell Geschichte. Das Fazit: Drei spektakuläre Rennen, drei große Sieger und insgesamt neun Rennfahrer aus vier verschiedenen Nationen am Podest sorgten für eine tolle Atmosphäre an der Streif, am Ganslernhang und in ganz Kitzbühel. Ähnlich beeindruckend als die Leistung der Athleten war auch jene aller Beteiligten, die diese Rennen überhaupt erst möglich gemacht haben. Sie trotzten mit deren Leidenschaft, Ehrgeiz, Willen und Zusammenarbeit den teils ungünstigen Wetterbedingungen und bewerkstelligten so ein wahres Ski-Fest in Kitzbühel.

 

Drei Bewerbe – 550.000 Euro Preisgeld

Der Kitzbüheler Skiclub (K.S.C.), Veranstalter der Hahnenkammrennen, hat auch für die 78. Hahnenkamm-Rennen eine Gesamtsumme von 550.000 Euro an Preisgeld lockergemacht. Der Freitag-Sieger durfte sich über eine Summe von 50.000 Euro freuen, während die Gewinner der Abfahrt und des Slaloms mit 74.000 Euro belohnt wurden. Die Top 30 jeden Rennens erhielten ein finanzielle Belohnung: „Wir wollen mit dem Preisgeld die außergewöhnlichen Leistungen der Teilnehmer auf der Streif und Ganslern würdigen.“, meint Rennleiter Axel Naglich.

KitzCharityTrophy 2018 brachte 150.000 Euro

Nachdem der letzte Abfahrtsläufer am Samstag abschwang, war der Tag noch nicht gelaufen. Für einen guten Zweck nahmen diverse Promis das Zielgelände in Beschlag. Bei der alljährlichen „KitzCharityTrophy“ kam heuer wieder eine Summe von 150.000 Euro zusammen: Das Geld kommt in Not geratenen Bergbauernfamilien aus Tirol und Südtirol zu Gute. Auch dieses Jahr war Bernie Ecclestone wieder als Zielrichter und Rennchef für das Rennen verantwortlich. Viele Persönlichkeiten aus verschiedensten Branchen carvten und wedelten die Tore hinunter. Unter anderem schnallten sich Ski-Legenden wie Stephan Eberharter, Benni Raich und Didier Cuche die Skier an, auch Schauspieler wie Nina Proll und Tobias Moretti waren mit von der Partie. Und auch Max Verstappen absolvierte das Rennen auf einem Bob, in Falllinie und wurde aufgrund dessen von Renndirektor Bernie Ecclestone disqualifiziert. Gewinnen konnte die KitzCharityTrophy das Team Ecclestone, welches aus Ecclestone-Gattin Fabiana, dem Ex-Skirennläufer Marco Büchel, sowie der Skilegende Franz Klammer bestand. An zweiter Stelle landete Team Charity Founders mit Ex-Formel-1-Fahrer Gerhard Berger, Helene Berger und Gerry Friedler und den dritten Rang belegte Team Borealis mit Armin Assinger, Philippe Roodhooft und Markku Korvenranta.

Ein großes Dankeschön an die Fans

Pistenarbeiter, Organisatoren, Sponsoren und wie sie alle heißen, die Beteiligten der Hahnenkammrennen. Eine Gruppe wird jedoch oft vergessen: die Fans! Schlussendlich sind sie es, die die Gänsehautmomente verursachen, die die Rennen zum größten Skifest Österreichs machen. Verkleidet, mit Fahnen oder Hüten, jubelnd, mitfiebernd, lachend, emotional – die Fans machen das Hahnenkammrennen zu dem was es ist. In diesem Jahr gilt ihnen ein besonderer Dank. Selten zuvor hörte von dermaßen wenigen Komplikationen und Problemen. Die Rennen gingen reibungslos über die Bühne und dafür ein großes Chapeau!

Foto © K.S.C.


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