HKR 2019

Im Interview: Daniel Menestrina

Im Interview: Daniel Menestrina
17.01.2016

Daniel Menestrina ist beim Hahnenkamm-Rennen als technischer Delegierter im Einsatz. Im Interview spricht der Südtiroler über seinen Beruf und das Rennen auf der Streif. Herr Menestrina, was ist ihre Aufgabe als technischer Delegierter im Weltcup? Bei jedem Rennen muss ein Technischer Delegierter anwesend sein, der darauf schaut, dass sämtliche Disziplinen korrekt durchgeführt werden. Bevor die Abläufe im Weltcup modernisiert wurden, hat der Technische Delegierte die Rennen auch geführt. Das hat zur Folge gehabt, dass es keine einheitliche Arbeitsweise gab – wenn vier Delegierte eine Regel ausgelegt haben, gab es am Ende oft vier verschiedene Meinungen. Meine Aufgabe ist es demnach, den FIS-Renndirektor Hannes Trinkl in administrativen Bereichen zu unterstützen, dazu zählt zum Beispiel auch das Erstellen der Startlisten. Es ist also immer ein Technischer Delegierter bei einem FIS-Rennen dabei.Wichtig ist allerdings, dass er aus einer anderen Nation kommt – sprich, in Österreich darf kein Österreicher als „TD“ das Rennen leiten. Nur bei Großveranstaltungen kommen mehrere zum Einsatz, hier gibt es ein Art Jury aus vier Technischen Delegierten. Jetzt ist die Streif ja keine kurze Strecke. Wie und von wo aus beobachtet man denn ein Rennen als Technischer Delegierter? In der Regel wird das mit dem Chief-Race-Director abgesprochen. Ich positioniere mich bei den technischen Disziplinen meistens im Zielraum, damit ich dort sofort zur Stelle bin und etwa Disqualifikationen durchführen kann. Währenddessen versuche ich bei Speed-Rennen eher am Start zu bleiben – weil es von oben nach unten dann doch etwas leichter geht. Gibt es Unterschiede in den Disziplinen? Beim Slalom geht es vermutlich deutlich enger zu als in der Abfahrt, oder? Ja, in den Schulungen bekommen wir dann Videos, wo wir die Frage beantworten sollen: Hat der Fahrer eingefädelt oder nicht? Wie gut man solche Situationen auflösen kann, hängt häufig auch von der Kameraposition ab. Im Slalom, gerade wenn auf einem Hang mit vielen Übergängen gefahren wird, kann es natürlich sein, dass man selbst mit einem Video nicht genau auflösen kann, ob der Läufer korrekt gefahren ist oder nicht. Kann man als Technischer Delegierter in irgendeiner Form Einfluss auf die Kurssetzung nehmen? In Abfahrt und Super-G nicht, dort setzt der FIS-Renndirektor. Den Slalom setzen ja die Trainer und da können wir dann Einfluss nehmen, wenn es gefährlich wird. Wir können allerdings keinen Lauf als „zu schwierig“ abstempeln und verändern – nur dann, wenn es Sicherheitsbedenken gibt. Wie lange sind Sie schon als Technischer Delegierter tätig? Seit ungefähr 16 Jahren. Wobei ich leider das Pech habe, dass ich von Bozen recht schnell in Deutschland, Österreich und der Schweiz sein kann – deshalb werde ich meistens dort bei den Rennen eingesetzt. Kollegen, die näher an Flughäfen wohnen, haben da eher mal Chancen auf Bewerbe in Skandinavien oder Übersee. Was allerdings schön ist an meinem Job: Man bekommt mit, wie die Läufer sozusagen „aufwachsen“. Marcel Hirscher zum Beispiel ist noch lange nicht Weltcup gefahren, als ich ihn zum ersten Mal gesehen habe.


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